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Holding ja oder nein: Wann eine Beteiligungsstruktur wirklich trägt

Korbinian Stürber
29. Aug.
3 Min. Lesezeit

Kaum eine Gestaltung wird so oft empfohlen wie die Holding. In Unternehmerforen, auf Konferenzen, gelegentlich auch von Beratern, die den konkreten Fall nicht kennen. Die Struktur klingt nach der Lösung für alles: Steuern sparen, Vermögen schützen, den Verkauf vorbereiten.


Manchmal stimmt das. Oft ist die Holding aber die Antwort auf eine Frage, die der Unternehmer gar nicht gestellt hat — und dann kostet sie jedes Jahr Geld, ohne etwas zu leisten.


Was eine Holding tatsächlich leistet


Die klassische Konstruktion: Eine GmbH hält die Anteile an einer oder mehreren operativen GmbHs. Der Unternehmer hält nicht mehr direkt die operative Gesellschaft, sondern die Holding.


Der wichtigste Effekt betrifft den Verkauf. Verkauft die Holding die Anteile an der operativen Gesellschaft, bleibt der Gewinn auf Ebene der Holding weitgehend steuerfrei — ein kleiner Anteil bleibt steuerpflichtig. Der Erlös liegt dann in der Holding und kann von dort investiert oder in eine neue Beteiligung gegeben werden, ohne dass zuvor eine Besteuerung auf privater Ebene stattfindet.


Verkauft der Unternehmer die Anteile dagegen direkt aus dem Privatvermögen, fällt sofort Einkommensteuer an. Der Unterschied kann bei einem größeren Verkaufserlös in die Hunderttausende gehen.


Der zweite Effekt betrifft laufende Gewinne. Schüttet die operative Gesellschaft an die Holding aus, bleibt auch das weitgehend steuerfrei — solange das Geld in der Struktur bleibt. Erst bei der Ausschüttung an den Unternehmer privat greift die volle Besteuerung. Wer Gewinne reinvestieren will, arbeitet also mit einem größeren Betrag.


Der dritte Effekt ist keine Steuerfrage: Vermögen, das in der Holding liegt, ist vom operativen Risiko der Tochtergesellschaft getrennt. Das ist bei risikobehafteten Geschäftsfeldern ein eigenständiges Argument.


Was sie kostet


Eine Holding ist eine zweite Gesellschaft. Das bedeutet:

–      Gründungskosten für Notar, Handelsregister und Beratung

–      Eine zweite Buchhaltung, ein zweiter Jahresabschluss, eine zweite Offenlegung

–      Ein zweiter Satz Steuererklärungen

–      Beschlüsse und Protokolle, die tatsächlich gefasst und dokumentiert werden müssen

–      Laufende Beratungskosten für eine Struktur, die komplexer ist als eine einzelne GmbH


Diese Kosten fallen jedes Jahr an, unabhängig davon, ob die Struktur in diesem Jahr etwas bringt. Bei einem Unternehmen mit überschaubarem Gewinn und ohne Verkaufsabsicht kann das über zehn Jahre einen fünfstelligen Betrag ergeben — für einen Vorteil, der nie eintritt.


Die Fristen, die man sich einhandelt


Wird eine Holding nachträglich über eine Einbringung der bestehenden Anteile errichtet, geschieht das in der Regel zu Buchwerten. Damit werden stille Reserven nicht aufgedeckt — allerdings unter der Bedingung, dass die eingebrachten Anteile über einen mehrjährigen Zeitraum nicht veräußert werden.


Wer innerhalb dieser Frist doch verkauft, löst rückwirkend eine Besteuerung aus. Das ist die Konstellation, in der die Holding zum Problem wird: Sie wurde errichtet, um den Verkauf vorzubereiten — und verhindert ihn nun für einige Jahre, oder verteuert ihn.

Deshalb ist der Zeitpunkt entscheidend. Eine Holding, die errichtet wird, wenn der Kaufinteressent bereits am Tisch sitzt, kommt in den meisten Fällen zu spät.


Drei Konstellationen, in denen sie sich rechnet


Ein Verkauf ist absehbar, aber nicht unmittelbar. Wer damit rechnet, sein Unternehmen in fünf oder zehn Jahren zu verkaufen, sollte die Struktur jetzt aufsetzen. Die Sperrfristen laufen dann ab, bevor sie relevant werden.


Gewinne sollen reinvestiert werden. Wer aus den Erträgen der operativen Gesellschaft weitere Unternehmen, Beteiligungen oder Immobilien erwerben will, arbeitet in der Holding mit deutlich mehr Kapital, als nach einer privaten Ausschüttung übrig bliebe.


Mehrere Geschäftsfelder oder Gesellschafter. Bei mehreren operativen Einheiten schafft eine Holding Ordnung: Risiken lassen sich trennen, einzelne Bereiche gezielt verkaufen, Gesellschafter unterschiedlich beteiligen. Bei mehreren Gesellschaftern kann jeder eine eigene Holding halten — das erlaubt unterschiedliche Ausschüttungsstrategien, ohne dass sich alle einigen müssen.


Zwei, in denen sie es nicht tut


Der Gewinn wird ohnehin vollständig privat entnommen. Wer jeden Euro braucht, den das Unternehmen erwirtschaftet, kommt über die Holding nur mit einem zusätzlichen Zwischenschritt und zusätzlichen Kosten zum selben Ergebnis.


Das Unternehmen ist klein und soll es bleiben. Bei überschaubaren Gewinnen, ohne Verkaufsabsicht und ohne Reinvestitionspläne übersteigen die laufenden Kosten den Nutzen — häufig deutlich.


Der häufigste Denkfehler


Er lautet: Die Holding spart Steuern.


Sie spart in den beschriebenen Fällen Steuern — aber nur, solange das Geld in der Struktur bleibt. Sobald es privat entnommen wird, greift die Besteuerung ganz normal. Die Holding verschiebt den Zeitpunkt und schafft Spielraum für Reinvestitionen. Sie schafft keine dauerhaft steuerfreie Zone.


Wer das versteht, stellt die richtige Frage. Sie lautet nicht: Soll ich eine Holding gründen? Sondern: Was habe ich mit dem Geld vor, das mein Unternehmen erwirtschaftet — und wann?


Diese Frage lässt sich rechnen. Eine Gegenüberstellung über einen realistischen Zeitraum, mit Ihren Zahlen, zeigt in der Regel innerhalb einer Stunde, ob sich die Struktur trägt.


Dieser Beitrag gibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Die steuerliche Beurteilung hängt vom Sachverhalt und vom geltenden Recht ab.

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